In Teil 1 unserer Interviewreihe mit der CTA GmbH sprechen wir mit Geschäftsführer Hans-Dieter Worch über die Digitalisierung im Mittelstand, welche Herausforderungen diese mit sich bringt, und wie Mittelständler diese Herausforderungen überkommen können, um von der Digitalisierung zu profitieren.

MAX FISCHER Herr Worch, können Sie uns etwas über Ihren Hintergrund erzählen?

HANS-DIETER WORCH: Ich komme ursprünglich aus der Technik, habe Maschinenbau studiert und war danach in der Verpackungstechnik unterwegs. Über diese Schiene bin ich dann auch in den Vertrieb gerutscht und war viele Jahre in der Kosmetik- und Pharmaindustrie tätig. Jetzt bin ich seit etwa einem Jahr als Geschäftsführer bei der CTA. Ich habe daher sowohl einen technischen Hintergrund als auch viel Erfahrung im Vertrieb und Marketing.

MAX FISCHER Wie bewerten Sie die aktuelle Lage der CTA, auch in Bezug auf die aktuelle Corona Pandemie?

HANS-DIETER WORCH: Die aktuelle Lage für die CTA ist trotz Pandemie hervorragend. Im ersten Lockdown, im April und Mai 2020, haben wir einen klaren Auftragsrückgang von etwa 25% wahrgenommen und dies natürlich auch in der Auslastung gespürt. Wir haben dann aber sehr schnell umgestellt und angefangen, Desinfektionsmittel abzufüllen. Das zeichnet uns als CTA aus, in schwierigen Zeiten flexibel zu sein. Als dann jeder angefangen hat, Desinfektionsmittel herzustellen, zog unser Kerngeschäft wieder an. Seit Q4 2020 befinden wir uns wieder auf dem Niveau vor der Corona Pandemie.

MAX FISCHER Was ist für die CTA aktuell die größte Herausforderung?

HANS-DIETER WORCH: Unsere größte Herausforderung ist aktuell die Beschaffung von Rohstoffen und Verpackungsmaterialien. Die ist vor allem der Pandemie verschuldet, aber auch der Blockade im Suez Kanal. Deshalb müssen wir aktuell viele Aufträge, die wir sonst in einer Produktion abgearbeitet hätten, in mehreren Schritten abwickeln, da uns einfach die Materialien fehlen. Das hat einen großen Einfluss auf die Kosten. Rückblickend zahlt es sich aus, dass wir bereits vor Corona in IT-Projekte investiert und viele Prozesse optimiert und digitalisiert haben. Dadurch sind wir deutlich flexibler geworden. Ohne diese Flexibilität wäre es schwierig gewesen, diese Situation zu meistern.

MAX FISCHER Sie sprechen das Thema Digitalisierung an. Wie gehen Sie das Thema Digitalisierung bei der CTA an?

HANS-DIETER WORCH: Wir betrachten das Thema Digitalisierung bei der CTA grundsätzlich von der Prozessseite. Viele Firmen digitalisieren, einfach um zu digitalisieren. Wir analysieren unsere internen Prozesse und schauen, ob es dort Optimierungspotential gibt - beispielsweise ob wir die Komplexität für uns und unsere Kunden verringern, oder die Wertschöpfung für unsere Kunden steigern können. Da geht es im ersten Schritt um die Prozesse an sich. Digitalisierung ist dabei eher ein Mittel zum Zweck. Heute erhebt die CTA Echtzeit-Daten über die gesamte Wertschöpfungskette, von Logistik, über Produktion bis hin zum Versand. Das führt zu einem völlig neuen Level an Transparenz. Diese Transparenz ist wiederum die Voraussetzung, um unsere Prozesse kontinuierlich zu verbessern. So erkennen wir unmittelbar die Ursachen für unsere Probleme und können entsprechend zeitnah reagieren - beispielsweise durch Anpassungen im Vertrieb, Einkauf oder in der Produktion.

MAX FISCHER Was sind Beispiele für Digitalisierungsprojekte, die Sie bei der CTA erfolgreich umsetzen konnten?

HANS-DIETER WORCH: Wir haben diverse Projekte abgeschlossen. Ein sehr relevantes Beispiel ist die digitale Auftragsabwicklung. Konkret heißt das, dass die Werker an den Maschinen in Echtzeit ihre Aufträge auf Tablets, statt per Papier, erhalten. Potenzielle Änderungen im Auftragsablauf werden direkt an die Werker kommuniziert. Die Werker wiederum können über ihr Tablet benötigtes Material anfordern oder Fertigware abholen lassen. So sind wir in der Produktion deutlich flexibler geworden. Dadurch können wir Änderungen in Aufträgen viel schneller in die Produktion einsteuern. Diese Flexibilität ermöglicht uns, die Herausforderungen der aktuellen Zeit erfolgreich zu bewältigen, Fehler zu vermeiden und die Qualität in der Produktion nachhaltig zu steigern.

Hans-Dieter Worch joined CTA GmbH as CEO and Managing Director in April 2020.

MAX FISCHER Sie sind ein Mittelstandsbetrieb, der schon viel in das Thema Digitalisierung investiert hat. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hindernisse für Mittelstandsunternehmen in Bezug auf Digitalisierung?

HANS-DIETER WORCH: Ein Hindernis ist der Datenschutz. Als Geschäftsführer möchte ich in diesem Bereich auf keinen Fall einen Fehler machen. Als Mittelständler kann man sich aber keinen eigenen Datenschutzexperten leisten und ist auf teure Beratungen angewiesen. Zudem ist es für Mittelständler schwer, entsprechende Kapazitäten zu locken und genügend Personal mit entsprechendem Know-how zu haben. Wir stehen da natürlich auch in Konkurrenz mit Konzernen wie Daimler oder BMW, die Absolventen sehr viel bieten können. Da muss man als Unternehmen viel investieren, um für diese Leute attraktiv zu sein.

MAX FISCHER Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen?

HANS-DIETER WORCH: Mein Vorgänger hat viel in die interne Förderung von Talenten investiert und auf ein breites Ausbildungsangebot im IT-Bereich gesetzt. Davon profitieren wir jetzt schon, da wir junge Leute ausbilden und schon früh mit der CTA vertraut machen. Die Auszubildenden profitieren auch von der CTA, da Sie bei uns sehr schnell Verantwortung übernehmen dürfen. Das macht uns als Firma auch etwas stolz. Dazu kommt auch externe Unterstützung von Unternehmen wie Actyx, die uns dabei helfen, diese Herausforderungen zu stemmen.

MAX FISCHER Was würden Sie anderen Geschäftsführern von Mittelstandsbetrieben mitgeben, um die Digitalisierung in ihren Unternehmen voranzutreiben?

HANS-DIETER WORCH: Ich denke, der wichtigste Punkt ist, Digitalisierung nicht zu machen, weil man Digitalisierung machen will. Mein Tipp an andere Mittelständler ist, auf die Prozesse zu schauen und dann zu entscheiden, wo es in der Organisation wehtut. Aus diesen Punkten muss man sich dann einzelne, kleinere Projekte herausziehen, angehen und prüfen, ob es hier Optimierungsmöglichkeiten gibt.
Die Fragestellung, ob es Hilfreich ist diese Prozesse zur Optimierung zu digitalisieren, sollte man sich dann erst im 2. Schritt stellen. Wenn ich das überhastet entscheide, werde ich auch keinen schnellen Mehrwert spüren. Bei unseren Projekten haben wir so immer sehr schnell erste Erfolge auf den unterschiedlichsten Ebenen gespürt. Die Einführung solcher Systeme rechnet sich sehr schnell, wenn man ein klares Problem adressiert. Das hat zudem den Vorteil, dass man schnell weitere Investitionen in IT-Projekte rechtfertigen kann. Die Kosten für unsere Digitalisierungslösungen konnten wir so immer sehr schnell wieder reinholen und amortisieren.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kommunikation und Transparenz im Unternehmen. Das ist für einen guten Change-Prozess essenziell. Die Belegschaft frühzeitig einzubinden und damit auch Ängste zu nehmen und Ihnen das nötige Selbstvertrauen zuzusprechen, um diese Veränderungen anzunehmen und den Mehrwert für uns gemeinsam, als Arbeitgeber aber eben auch als Arbeitnehmer, zu erkennen.

MAX FISCHER Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Herr Worch! Im nächsten Interview würden wir Ihren IT-Leiter, Herrn Brenner, dazu bitten. Ich freue mich auf weitere spannenden Geschichten!

HANS-DIETER WORCH: Vielen Dank für die interessanten Fragen! Ich freue mich auf das nächste Interview.

Sind Sie im Bereich der Fabrikdigitalisierung tätig?

Sind Sie daran interessiert, Ihr Angebot der digitalen Fabriken zu erweitern? Buchen Sie ein 15-minütiges Executive Briefing über die Actyx-Plattform und ihre Vorteile.