In Teil 1 unseres Interviews mit der CTA GmbH sprechen wir mit Geschäftsführer Hans-Dieter Worch über Digitalisierung im Mittelstand, welche Herausforderungen diese mit sich bringt und wie Mittelständler diese Herausforderungen annehmen können, um von der Digitalisierung zu profitieren.

Im zweiten Teil unseres Interviews sprechen wir mit Hans-Dieter Worch und Andre Brenner, Leiter der IT bei der CTA GmbH, über ihre Erfahrungen mit IT-Projekten bei der CTA, die Zusammenarbeit mit Actyx und Tipps für Softwareunternehmen, die an Mittelständler verkaufen.

MAX FISCHER Herr Worch, in unserem letzten Gespräch haben wir ja schon etwas zu Ihrem Hintergrund gehört. Daher nun die Frage an Herrn Brenner, was sind Ihre Aufgaben bei der CTA?

ANDRE BRENNER: Ich verantworte bei der CTA als Leiter der internen IT und Mitglied des Managements seit mehr als fünf Jahren sämtliche IT-Projekte im Unternehmen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Digitalisierung von internen Prozessen. Wir arbeiten dabei viel mit anderen Unternehmen wie Actyx zusammen, haben aber auch eigene Entwickler, die Lösungen für uns entwickeln.

MAX FISCHER Herr Worch, Sie haben im ersten Interview bereits angesprochen, dass die Kultur im Unternehmen eine wichtige Rolle spielt, um Digitalisierung voranzutreiben. Was haben Sie bei der CTA getan, um Ihre Belegschaft entsprechend abzuholen?

HANS-DIETER WORCH: Digitalisierungsprojekte, sowie auch sonstige Themen bei denen, sich etwas Wesentliches für die Belegschaft ändert, funktioniert nur mit einer Offenheit zur Veränderung, ja auch einer Offenheit etwas auszuprobieren und neue Dinge anzugehen. Dabei legen wir großen Wert auf eine sehr offene Kommunikation mit unserer Belegschaft, auch um die Ängste schon im Vorfeld zu nehmen. Wir haben auch gespürt, dass solche Projekte mit der Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, aber auch die Sorge, dass jetzt immenser Druck aufgebaut wird, einhergehen. Auf Grund der offenen Kommunikation sowie der Einbindung der Belegschaft konnten diese Sorgen ausgeräumt werden. Ebenso wichtig ist es, dass das gesamte mittlere Management zu 100% hinter den Plänen steht und diese kennt, dies ist die Voraussetzung die Belegschaft mitzunehmen und Ängste auszuräumen.

MAX FISCHER Wie würden Sie jetzt die Akzeptanz Ihrer Belegschaft einschätzen?

HANS-DIETER WORCH: Sehr gut. Wir haben zum Beispiel ein Projekt durchgeführt, bei dem wir direkt an der Linie Echtzeit-Daten transparent aufgezeigt und ganz klar die Ziele dargestellt haben. Da war zu Beginn die Sorge groß, wie denn damit umgegangen wird, wenn beispielsweise mal ein Auftrag etwas hinterherhinkt. Also haben wir exemplarisch mit einigen wenigen Linien angefangen und den Mitarbeitern Schritt für Schritt aufgezeigt, dass es eben darum geht, gemeinsam Dinge zur Verbesserung umzusetzen und nicht darum, den Mitarbeitern Druck zu machen. Als Geschäftsführer geht es mir vor allem darum, meine Mitarbeiter zu unterstützen. Beispielsweise haben wir in den Daten gesehen, dass unsere Produktionsmitarbeiter oftmals keine Ware hatten. Daraufhin haben wir unsere interne Logistik mit Tablets ausgestattet. Jetzt wissen unsere Staplerfahrer jederzeit, wo und wann Material hinmuss. Das hat einen enormen Einfluss auf unsere Effizienz und die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Inzwischen sind unsere Mitarbeiter in der Produktion sehr offen für IT-Projekte, weil sie verstehen, dass diese Projekte durchgeführt werden, um ihnen das Leben einfacher zu machen und die CTA für uns alle voranzubringen.

ANDRE BRENNER: Dem kann ich mich nur anschließen. Inzwischen höre ich auch immer öfter, dass die Kollegen in der Produktion froh darüber sind, mit Tablets, anstatt mit Papier arbeiten zu können. Zum einen, weil es ihnen Spaß macht, vor allem aber, weil sie sich wertgeschätzt fühlen, dass die CTA in sie investiert. Deshalb erkenne ich inzwischen eine steile Lernkurve bei den Kollegen. Zu Beginn, wenn die Mitarbeiter etwas nicht kennen, haben sie erst einmal großen Respekt davor und trauen sich selbst noch nicht so viel zu. Mittlerweile verstehen aber alle, worum es geht und sind offen für neue Tools.

Andre Brenner leitet seit inzwischen mehr als 6 Jahren die interne IT der CTA GmbH. 

MAX FISCHER Was waren denn die größten Learnings für Sie in Bezug auf Digitalisierung?

ANDRE BRENNER: Mein größtes Learning ist ganz klar: Digitalisierung kann wirklich sehr einfach sein. Ein Beispiel hierfür ist ein eigentlich banaler Prozess, den wir digitalisiert haben. An der Linie meldet der Werker, dass er Ware benötigt. Der Gabelstapler bekommt dann den Auftrag und holt direkt die Ware. Der Staplerfahrer muss nicht mehr vom Stapler heruntersteigen, ins Büro gehen und schauen, wo die Bestände liegen und wo er diese hinbringen soll. Alle Informationen hat er jetzt direkt am Stapler und weiß immer, wo er hinmuss. Zudem ist der Auftrag im Moment des Übernehmens durch einen Gabelstapler für die anderen Gabelstapler gesperrt, womit wir Mehrfachlieferungen verhindern konnten. Das hat große Auswirkungen, wie Zeitersparnis und weniger Unterbrechungen innerhalb der Produktion. Das ist eine simple Änderung des Prozesses und technisch kein großer Aufwand, da wir das mit Actyx in zwei Wochen bauen konnten. Der Effekt auf unser Geschäft, die Abläufe in der Produktion und die Arbeit der Logistiker in der Fabrik ist aber immens.

MAX FISCHER Wie stehen Sie dazu, Herr Worch?

HANS-DIETER WORCH: Als Geschäftsführer will ich natürlich immer, dass die Dinge schnell vorangehen. Geduld gehört selten zu den Tugenden eines Geschäftsführers und zu meinen schon leider gar nicht. Dabei darf man aber den Change Prozess für die Mitarbeiter in der Produktion nicht unterschätzen. Für sie ändert sich die Welt komplett. Sie arbeiten seit 40 Jahren nur mit Papier, und jetzt sollen Sie plötzlich ein Tablet verwenden. Wichtig ist deshalb auch, die Schichtleiter frühzeitig abzuholen, da sie die Werker am besten unterstützen können.

MAX FISCHER Um zum Thema Fabrik Software zu kommen - welche Punkte sind Ihnen wichtig, wenn Sie sich für einen Anbieter entscheiden müssen?

HANS-DIETER WORCH: Man wünscht sich natürlich einen absolut verlässlichen, vertrauenswürdigen Partner, das ist das A und O. Und zwar im Zuge von der Beratung, über die Umsetzung, bis hin zur Nachsorge. Als Mittelständler wünscht man sich einen Partner, der nicht einfach Standardkriterien abhakt, sondern aufzeigt, welche neuen Möglichkeiten es gibt und eine flexible Lösung liefert, mit der dies dann auch abzubilden ist.

ANDRE BRENNER: Dem kann ich mich nur anschließen. Wichtig ist natürlich ein Partner, der zügig und ganzheitlich liefern kann. Zudem ist es für uns wichtig, einen Partner zu haben mit dem wir Schritt für Schritt skalieren können, so wie mit Actyx, um kein hohes Risiko zu haben. Außerdem sollte die Lösung einen klaren Mehrwert mit sich bringen. Wenn ein Werker jedes Mal 5 Sekunden warten muss, wenn er etwas in ein Tablet eingibt, akzeptieren die Mitarbeiter das einfach nicht. Wichtig ist auch, dass das System einfach verständlich und gut zu bedienen ist. Komplexe Software benötigt oft auch komplexe Bedienung. Wir merken aber, dass das auch anders geht. Das haben viele Anbieter leider noch nicht verstanden. Gerade wenn man mit modernen Endgeräten wie Tablets arbeitet ist es sehr wichtig, dass die Benutzeroberfläche auch entsprechend darauf angepasst ist, einfach verständlich und bedienbar ist, die eben auch ein Mitarbeiter bedienen kann, der beispielsweise keine Ausbildung gemacht hat, vielleicht aus einem anderen Land kommt und sich jetzt das erste Mal mit so einer Software auseinandersetzen muss.

MAX FISCHER Was würden Sie Anbietern empfehlen, nicht zu machen?

HANS-DIETER WORCH: Oft wird man von Vertrieblern kontaktiert, bei denen man schnell merkt, dass sie eigentlich keine Ahnung haben, wie es bei uns in der Industrie überhaupt aussieht. Wir stehen alle unter Druck und haben viel zu tun. Mein Tipp an Anbieter ist deshalb, erst erstmal die Herausforderungen eines Mittelständlers zu verstehen und dann hierfür passende Lösungen anzubieten. Vieles ist für kleine Mittelständler einfach nicht praktikabel, weil es zu komplex und teuer ist. Oftmals hat Software Funktionen, die große Konzerne benötigen, Mittelständler aber nicht.

ANDRE BRENNER: Dazu kommt auch das Thema Standardsoftware. Viele Anbieter sagen uns immer, „ja, das können wir“. Wenn sie dann aber bei uns vor Ort sind, merken sie schnell, dass sie die Komplexität unserer Produktion doch nicht abbilden können. Da bekommt man dann manchmal das Gefühl, dass es den Leuten wirklich nur ums Verkaufen geht, nicht darum bei uns Mehrwert zu schaffen. Kunden, die dann noch Anpassungen wollen, sind da eigentlich nicht erwünscht.

HANS-DIETER WORCH: Das ist ein sehr guter Punkt. Die Firmen wollen dann ein schnelles Geschäft machen, für uns fängt der Prozess da aber erst an. Wir sind erst fertig, wenn der Prozess optimiert ist, die Software ist da ja nur ein Tool dafür, aber noch nicht die Lösung. Als Mittelständler braucht man Lösungsanbieter.

MAX FISCHER Welche Rolle spielen Startups beim Thema Digitalisierung, vor allem für Sie als Mittelständler?

HANS-DIETER WORCH: Vorteile von Start-ups sind vor allem, dass Sie am Anfang immer sehr hungrig sind und tolle Projekte umsetzen wollen, die Sie dann hinterher auch vermarkten können. Deswegen merkt man da einfach, dass Start-ups von Haus aus deutlich motivierter sind.

MAX FISCHER Was sind Tipps, die Sie Start-ups mit auf den Weg geben würden, um sich in dieser Branche durchzusetzen?

HANS-DIETER WORCH: Ganz wichtig ist es, lösungsorientiert zu denken. Nicht einfach die Software verkaufen, sondern versuchen, die Komplexität und das Umfeld der Kunden zu verstehen und dabei einen Mehrwert bieten. Besonders für Mittelständler ist das wichtig. Viele Unternehmen haben nicht einmal eine interne IT-Abteilung. Diese benötigen dann mehr als nur eine Software als Produkt, sondern einen Solution Provider. Mit einer Software, ohne die Gesamtlösung im Blick, können Mittelständler wenig anfangen.

MAX FISCHER Jetzt haben Sie mit Actyx einen Start-up Partner gehabt. Wie war die Zusammenarbeit? Was hat Ihnen gut gefallen, was nicht?

ANDRE BRENNER: Wir hatten eine sehr intensive und enge Zusammenarbeit, was letztendlich der Schlüssel zum Erfolg war. Ein großer Pluspunkt ist, dass man Probleme, die aufkommen, jederzeit besprechen kann. Mit Großunternehmen muss man da teilweise ein paar Tage warten, bis das Ticket bearbeitet wird und an Wochenenden erreicht man niemanden. Bei Start-ups kann man einfach anrufen und alle versuchen direkt, eine Lösung zu finden. Aber natürlich haben wir uns am Anfang auch Gedanken über die Risiken gemacht. Da haben wir uns beispielsweise gefragt, was denn passiert, wenn das Start-up in 2 Jahren nicht mehr existiert. Dann hat man eventuell eine Software in der Fabrik, die nicht mehr weiterentwickelt wird und nur halb funktioniert. Da hilft es immer, einen konkreten Plan B zu haben und dauerhaft im engen Kontakt zu sein.

MAX FISCHER Und warum haben Sie sich dann trotzdem dazu entschieden, mit Actyx zusammenzuarbeiten?

ANDRE BRENNER: Aus all den Gründen, die Herr Worch am Anfang genannt hat. Als ITler hat mich die Plattform überzeugt. Sie ist sehr flexibel einsetzbar und ermöglicht uns, Schritt für Schritt zu skalieren. Das hat uns am Anfang überzeugt, dass wir mit einem Use-Case anfangen konnten, aber wussten, dass wir als nächstes auch ein ganz anderes Projekt mit Euch machen können. Das ist den Entwicklern sehr wichtig. Auch in der Zusammenarbeit hat es seine Vorteile. Ihr seid jung, dynamisch und habt neue Ideen. Wenn ihr Ideen habt, habt ihr kein Problem, diese auszuprobieren. In Konzernen gibt es da eine entsprechende Hierarchie. Da muss erst alles abgesegnet werden, dann muss das Budget freigegeben werden. Und bis es dann zum Tragen kommt oder bis man es mal ausprobieren kann, vergeht einfach viel wertvolle Zeit.

MAX FISCHER Herr Worch, Herr Brenner, vielen Dank für das spannende Gespräch. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen!

HANS-DIETER WORCH: Auch von unserer Seite, vielen Dank für die partnerschaftliche und zuverlässige Zusammenarbeit. Wir freuen uns auf die neuen Projekte, die noch kommen werden.

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